Berufsunfähigkeitsversicherung: Finanztest testet mit zweifelhaftem Ergebnis – Testverfahren erhält Note ungenügend

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    Mein Postfach quillt über mit selbstbeweihräuchernden E-Mails von Versicherungsgesellschaften, die ihre Berufsunfähigkeitstarife bewerben. Nun es ist kein Eigenlob, irgendwas zum Himmel stinken tut trotzdem. Stiftung Warentest hat mal wieder Berufsunfähigkeitsrenten getestet, mit einem überragenden Ergebnis: Drei von vier Tarifen wurden mit sehr gut bewertet.

    Also mal ehrlich 100 Leute nehmen an einem Wettbewerb teil und 75 werden gemeinsam erster. Das macht nicht viel Sinn, denn damit verliert der Wettbewerb an Wert. Eigentlich gibt es solche Ergebnisse nur in reformpädagogischen Grundschulen, die am liebsten gar keine Noten hätten. Gut, wir haben viele Landesregierungen mit grüner Regierungsbeteiligung, aber im Gegensatz zur Schulpolitik dachte ich immer Stiftung Warentest wäre mit Bundesmitteln finanziert und darüber hinaus unabhängig. Aber ernsthaft. Was kann, was soll uns so ein Testergebnis sagen?

    Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten Blick vielleicht schon etwas. Einen wirklich intensiven Blick hat mein Makler- und Blogger-Kollege Matthias Helberg auf den Test geworfen und dabei zum Beispiel zu Tage gefördert, dass 70% des Testergebnisses von gerade mal 9 1/2 Kriterien abhängen. Das ist gelinde gesagt zumindest fragwürdig. Man muss sich schon fragen, warum spätestens dann, wenn solch ein undifferenziertes Ergebnis herauskommt, nicht weitere Kriterien herangezogen werden. Zu den nicht berücksichtigten Kriterien gehören zum Beispiel:

    • Besteht Versicherungsschutz auch dann, wenn die Berufsunfähigkeit durch grob fahrlässige oder vorsätzliche Verkehrsdelikte verursacht wird?
    • Kann der Versicherungsschutz zum Beispiel bei Elternzeit oder Arbeitslosigkeit reduziert oder gar ausgesetzt werden, um die finanzielle Belastung zu verringern?
    • Tritt die Berufsunfähigkeit im Ausland ein, muss der Versicherte dann auf eigene Kosten nach Deutschland zur Untersuchung kommen?

    Auch diese und viele weitere Kriterien hat Kollege Helberg in akribischer Arbeit identifiziert. Danke und ein riesen Kompliment dafür. Es bleiben also einige Fragen offen, an Finanztest, aber auch an den Gesetzgeber, hier zwei wesentliche:

    • Warum muss Finanztest nicht für seine Testergebnisse und die darin erteilten Ratschläge haften. Jeder Versicherungsmakler muss das! Im Gegensatz dazu haftet kein Verbraucherschützer – auch die Verbaucherzentralen nicht, wenn sie Versicherungskunden konkrete Einzelempfehlungen aussprechen. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, der vom Gesetzgeber überprüft werden sollte.
    • Profitiert Finanztest vielleicht überproportional von einem solchen Testergebnis? Wie das? Ganz einfach. Wer das Logo mit dem „sehr gut“ als Versicherungsgesellschaft auf seine Broschüren drucken will, zahlt dafür Nutzungsgebühren. Da Finanztest in seinen Publikationen – anders als zum Beispiel Ökotest – keine Anzeigen schalten darf, eine nicht unerhebliche Einnahmequelle. Nun sind „sehr gut“-Bewertungen sicher leichter zu vermarkten als befriedigend oder gar ungenügend – und es wird sicher auch gerne und in der Summe mehr dafür bezahlt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

    Fazit: Als Versicherungsmakler können wir es uns nicht erlauben so unsauber und oberflächlich zu arbeiten. Deshalb sollten sich die Kunden nicht nur auf die Empfehlungen von Finanztest verlassen. Aber das geht ja nun zumindest bei Berufsunfähigkeitsversicherungen eh nicht mehr, denn dutzende Tarife ohne Note sind genauso aussagekräftig wie dutzende Tarife mit sehr gut. Wenn Sie eine persönliche, detaillierte und umfassende Beratung zu Ihrer Berufsunfähigkeitsabsicherung wünschen, vereinbaren Sie einfach telefonisch (069 – 71 70 71 – 540) oder online einen Beratungstermin. Selbstverständlich gehen Sie mit diesem Termin keine weiteren Verpflichtungen ein und es entstehen Ihnen dafür auch keine Kosten.

    2 Kommentare

    1. […] “Testverfahren erhält die Note ungenügend”, bloggt auch Oliver Mack, COO des Versicherungsmaklers Hoesch&Partner. “Als Versicherungsmakler können wir es uns nicht erlauben, so unsauber und oberflächlich zu arbeiten.” Spannend auch die Diskussion in der Facebook-Gruppe Friends of Finanztest Baldrian Rabatt, an der sich immerhin Sebastian Hirsch von Finanztest beteiligte: “Unsere Tests richten sich an die breite Allgemeinheit, wir gehen von Durchschnittsfällen und -lebensgestaltungen aus.”  […]

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